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Baden-Baden, Deutschland

Fabergé und der erste Weltkrieg

Fabergé und der erste Weltkrieg 

Liebe Freunde,

bekannt ist, dass während des Ersten Weltkrieges, dessen Ende vor hundert Jahren wir im Jahr 2017 entgegensehen, in Fabergés Werkstätten noch bis 1917 weitergearbeitet wurde. Die kriegsbedingt sinkende Nachfrage nach Juweliererzeugnissen, Schmuck und Luxusgütern fing man mit der Herstellung von benötigten Kriegsprodukten auf. Die Moskauer Fabrik Fabergés wurde offiziell in "Moskauer Mechanisches Werk" umbenannt. Nach Auftragseingängen von der Militärbehörde produzierte man dort in großen Mengen Hülsen, Granaten, Pravaz-Spritzen, Feuerzeuge und Feldgeschirr, aber auch Auszeichnungs- und Geschenkgegenstände mit russischer Staatssymbolik wie Aschenbecher, Zigarettenetuis, Leuchter, Becherhalter usw.

Geschenk-Aschenbecher mit Russischer Staatssymbolik

 

Feldgeschirr, doppelte Kasserolle. Messing, Kupfer

 

Benzin-Feuerzeug. Messing, Stahl 

Gravur Fabergé Firmenlogo mit Wappen

Es war natürlich keine Rede mehr vom Einsatz von Gold und Edelmetall bei diesen Sachen. Aber unabhängig von der Bestimmung und dem Nutzungszweck wiesen alle  Erzeugnisse, die hauptsächlich aus Kupfer, Messing oder anderem Metalllegierungen entstanden sind, feinste Qualität in der Verarbeitung und auch eine gewisse Eleganz auf. Die Militärbehörde hob Fabergés Produkte als Muster für Präzision und Sorgfalt hervor.
Das "Moskauer Mechanische Werk" beschäftigte damals ca. 600 Mitarbeiter. Carl Fabergés Engagement war während dieser unsicheren Zeit des Krieges nicht allein auf den Erhalt wirtschaftlicher Stabilität der Firma gerichtet. Weitblickend stellte Carl Fabergé immer wieder Anträge auf Freistellung von Mitarbeitern für die Ausführung der Staatsaufträge. Rettete er doch damit seinen Fachleuten das Leben, das in den Wirren des unnötigen und grausamen Krieges so wenig Wert war. Vielen bei  ihm beschäftigten Werkmeistern blieb damit das Schicksal des als Kanonenfutter dienenden Kriegssoldaten erspart.  

Das Fabergé Museum Baden Baden betrachtet es als seine elementare Aufgabe, mit dem Ausstellen von Kriegserzeugnissen der Firma Carl Fabergé ein besonderes Licht auf diese Zeit zu werfen, kriegsbedingte Zustände in Erinnerung zu rufen und vor dem Vergessen zu bewahren. Es handelt sich nicht nur darum, dem vielseitigen Werk von Carl Fabergé Tribut zu zollen, sondern auch Meilensteine der Weltgeschichte des frühen 20.Jahrhunderts sichtbar zu machen, die den Verlauf der globalen Ereignisse vorwegnahmen und zeigen, wie eng die Firmengeschichte eines Unternehmens mit der Geschichte des Staates verwoben ist. 
Den Rahmen unserer Möglichkeiten und Verpflichtung als Mueumsinstitution ausschöpfend, sind wir vom Fabergé Museum ständig bemüht, die materiellen Zeugnisse aus vergangenen Zeiten zu Studien-,  Bildungs- und Ausstellungszwecken zu beschaffen, zu bewahren, zu erforschen und Erkenntnisse und Objekte der Öffentlichkeit im Dienste Gesellschaft zugänglich zu machen. So können wir zu unseren neuesten Zugängen aus der Objekt-Serie „Weltkrieg I. 1914-1917" z.B. unter anderem einen  Feldkessel aus Messing, einen kupfernen Eimer mit Gravur „Fabergé Genossenschaft 1917" und eine Pravaz-Spritze im Originaletui zählen.

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Eimer aus Messing mit Gravur "Fabergé Genossenschaft 1917"         Fabergé Punzen 

Pravaz-Spritze im Originaletui

Im Übrigen möchten wir auf die zurzeit im Generalstabsgebäude der Eremitage in St. Petersburg laufende Sonderausstellung "Faberge und der Erste Weltkrieg" hinweisen.  Diese Ausstellung  wird organisiert vom "Russischen Nationalmuseum" (Moskau) unter Beteiligung des Fabergé Museums Baden-Baden. Gezeigt werden dort 43 bedeutende Objekte der Firma Fabergé, die aus der Zeit des Ersten Weltkrieges datieren. Darunter Samoware, Wasserkocher, Feuerzeuge, Pfannen, Boiler, Schalen, Kasserollen aus Messing und Kupfer. Markant sind ein großes Gefäß für die Sterilisation von Spritzen der Krankenstation im Winterpalast, graviert zu Ehren des Kronprinzen und Großherzogs Alexei Nikolajewitsch mit den Monogrammen der Kaiserin Alexandra Feodorowna und der Großfürstinnen Olga und Tatjana; weiteres ein Becken mit der eingravierten Inschrift "Feld-Lazarett Zug № 143", benannt zu Ehren Ihrer Kaiserlichen Majestät Zarin Alexandra Feodorowna. Desweiteren ein Telegrafenapparat von Fabergé und viele andere Kostbarkeiten. 
Kuratorin der Ausstellung ist Dr. Marina Nikolajewna Lopato, Leiterin des Sektors der künstlerischen Metall- und Steinverarbeitung in der  Abteilung für westeuropäische Angewandte Kunst der Eremitage. Die Ausstellung läuft vom 30.12.2015 bis 26.6.2016. Informationen im Internet unter https://www.hermitagemuseum.org/wps/portal/hermitage/what-s-on/temp_exh/2015/faberge_greatwar/?lng=ru

Feld-Lazarett Zug Nr. 143, genannt nach IKM Zarin Alexandra Fedorowna. Postkarte mit Lichtaufnahme des Innenraums1915-17 г.

Topf für die Sterilisation von Spritzen der Krankenstation im Winterpalast mit Monogrammen der Zarin Alexandra Fedorowna und Großfürstinnen Olga und Tatiana

Kerosin-Kocher (Primus) Stahl, Kupfer

Danke für Ihre Aufmerksamkeit und herzlich willkommen im  Faberge Museum Baden-Baden!

 

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